Jetzt wird (aus)geflippt!

Schule. Für viele Schüler/-innen ein leidiges Thema. Sie sitzen in den Klassenräumen, verstehen nur Bahnhof und sollen dann auch noch zu Hause ganz alleine Übungen und Hausarbeiten bewältigen. Da kommt häuffig Frust und Verzweiflung auf. Dass das auch anders geht und das sogar sehr gut, zeigt die Methode des „Flipped Classroom“.

Jetzt mal Hand aufs Herz und einen ehrlichen Blick auf eine klassische Unterrichtsstunde: Knapp 30 Schüler sitzen im Klassenraum, brav in Reih und Glied und lauschen den Worten der Lehrerin, die vorne an der Tafel steht und kryptische Symbole an die Tafel malt. Diese Schüler/-innen bekommen also exakt den selben Unterrichtsinhalt, im selben Tempo und in der selben Zeistpanne.

Einige verstehen die neue Mathematik-Formel sofort. Andere finden das alles total easy und langweilen sich schon fast. Dann gibt es aber auch diejenigen, die gar nichts verstehen und sich völlig verloren fühlen.
Am Ende des Schultages geht es nach Hause an die Hausaufgaben. Nun sitzen die selben Schüler vor den Matheaufgaben, die sie im Anschluss an den Vortrag der Lehrerin mitbekommen haben. Die zwei ersten Schülertypen, denen es ganz leicht fiel, wird es vermutlich auch hier leicht fallen. Die dritte Kategorie hat aber auch hier wieder ihre Probleme und sitzt gefrustet am Schreibtisch. Sie hätten gerne mehr Zeit im Unterricht gehabt, um die 172647 Fragen zu klären. Aber leider fehlt dazu manchmal die Zeit.

Eine mögliche Lösung ist der „Flipped Classroom“.
Bei der Methode flippt aber niemand aus, wie man es beim Namen vielleicht vermuten könnte – im Gegenteil. Gemeint ist das englische Wort, also quasi „umgekehrter Unterricht“.

Stellen wir uns also vor, dass die oben erwähnte Lehrerin die Schüler/-innen nicht nur mit Hausaufgaben nach Hause schickt, sondern ihnen die Möglichkeit gibt, den Unterrichtsstoff am Laptop oder PC in von ihr selbst oder einen von vielen anderen Lehrern gestalteten Lehrvideos zu vertiefen.

Der Vorteil: Die Schüler/-innen können hier – anders als im Unterricht – jederzeit auf Pause drücken, zurückspulen, das Gelernte sacken lassen. Sie arbeiten in ihrem eigenen Tempo. Bei Fragen und Unsicherheiten können sich die Schüler/-innen gegenseitig helfen.

Nicht nur die Hausaufgaben sehen beim Flipped Classroom völlig anders auch, auch der Unterricht als solcher kann anders gestaltet werden. Hier steht der Lehrer nicht mehr vor der Tafel. Stattdessen erklären die Schüler/-innen ihren Klassenkameraden, was sie sich zu Hause erarbeitet haben. Die Lehrerin läuft dabei durch den Klassenraum und gibt Hilfestellungen oder gibt neue Herausforderungen.

 

Flip your Class – ein interessantes Konzept, welches seit 3 Jahren auch hier in Berlin an verschiedenen Schulen getestet wird.

 

Als Lernbegleiterin bei LIP bin ich immer wieder auf der Suche nach neuen Methoden, um das Beste aus den 60 Minuten zu machen, die ich pro Kind in der Woche habe. Bei den vollgestopften Terminkalender meiner Schüler/-innen gebe ich ungern Hausaufgaben, aber leider lässt sich manchmal eine gewisse Zuarbeit in den eigenen vier Wänden nicht vermeiden.

Ich glaube nicht, dass in der Schule alles völlig falsch läuft. Im Gegenteil. In meinen vier Jahren als Lernbegleiterin und auch selbst als Schülerin habe ich bisher großartige Methoden und Konzepte kennengelernt. Es gibt eben nicht die Patentlösung, die perfekte Methode. Wahnsinnig interessant finde ich diese Methode dennoch und werde sie auf jeden Fall mal an der einen oder anderen Stelle ausprobieren.

 

Was haltet ihr davon? Haben eure Kinder oder gar ihr selbst sowas schon mal erleben dürfen?