Allgemein

Mobbing? Nicht mit mir!

„Im Rahmen der JIM-Studie des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest wird seit 1998 der Umgang von 12- bis 19-Jährigen mit Medien und Information repräsentativ abgebildet. Hierbei wird seit mehreren Jahren auch nach dem Thema (Cyber)Mobbing gefragt.

In der Altersgruppe der Zwölf- bis 19-Jährigen gibt jeder Dritte (34 %) an, dass in seinem Bekanntenkreis schon einmal jemand im Internet oder per Handy fertig gemacht wurde. Mädchen haben dies mit 37 Prozent schon häufiger mitbekommen als Jungen (31 %). Je älter die Jugendlichen sind, desto höher ist der Anteil derer, die schon von so einem Fall erfahren haben (12-13 Jahre: 26 %, 14-15 Jahre: 30 %, 16-17 Jahre: 39 %, 18-19 Jahre: 39 %).“

(Quelle: klicksafe.de)

Die Technik entwickelt sich in einer rasanten Geschwindigkeit. Teilweise so schnell, dass einem dabei schwindelig werden könnte. Die Kinder und Jugendlichen heutzutage können sich kaum noch ein Leben ohne Tablet, Smartphone, Playstation und Co vorstellen. Mittlerweile kann jeder jederzeit ins Internet. Posten, teilen, liken, kommunizieren und Kontakte knüpfen. 

Wer sich in die Tiefen des Internet begibt, muss damit rechnen, Reaktionen auf seine geposteten Texte, Bilder oder Videos zu bekommen. Neben Lob und Bewunderung kann es so auch zu negativem Feedback bis hin zu Beleidigungen oder gar Bloßstellung kommen. Der Begriff „Cybermobbing“ ist bestimmt kein Fremdwort mehr.

Grundsätzlich ist es unabdingbar, sich Cybermobbing und Mobbing generell zu beschäftigen – heute mehr denn je.
Ich war deshalb Feuer und Flamme, als ich vom Lernzentrum von Helliwood media & education eine Anfrage als Dozentin zu einem Workshop bekam. Thema: Cybermobbing. Bingo! Drei Workshops an der Peter-Pan-Grundschule in Marzahn waren nur ein Bruchteil einer vielschichtigen Arbeit zur Prävention und Intervention von Schüler*innen, die Helliwood, genauergesagt das Lernzentrum in Hellersdorf, auch in diesem Jahr wieder betreibt.

Anders als beim „normalen“ Mobbing, beschränkt sich Cybermobbing nicht nur auf einen Ort. Selbst wenn die Betroffenen den Klassenraum verlassen, sind sie noch lange nicht sicher. Cybermobbing ist überall dort, wo du bist. Man könnte also nun behaupten, dass Cybermobbing gefährlicher ist, als Mobbing im Klassenraum. Gemobbt wird online, in Sozialen Netzwerken wie Facebook, Messengern wie WhatsApp oder ganz einfach per SMS.

Die drei Tage haben mir gezeigt, dass es leider viel zu häufig noch auf die leichte Schulter genommen wird. Oftmals ist den Schüler*innen gar nicht mehr bewusst, dass Worte fast genauso wehtun können, wie ein Schlag ins Gesicht – oder sogar mehr. Das gilt nicht nur für gesprochene Worte, sondern eben auch für Geschriebene. Steht man der Person gegenüber, ist im Idealfall die Hemmung zu hoch und man sieht die Reaktion direkt. Es wird sofort geerntet, was man sät.
Anders ist das beim Cybermobbing. Hier versteckt man sich hinter Benutzernamen, falschen Profilbildern und vor allem: hinter dem Bildschirm. Das geschriebene Wort ist häufig nicht so gut zu verstehen, wie das Gesprochene. Es fehlt der Ton, die Betonung und das Gesicht zur Person.

Auf der anderen Seite könnte man auch sagen, dass es sich beim Cybermobbing häufig (wenn auch nicht immer) um fremde Menschen handelt. Das ist anders, als wenn der Betroffene direkt von seinen Klassenkameraden gemobbt wird. Anders, aber nicht weniger schlimm. Sicher, es könnte einem egal sein. Aber worum geht es bei Sozialen Netzwerken? Um Anerkennung, Kontakte knüpfen. Das Internet sollte doch ein Raum sein, in dem man experimentieren kann, neue Interessen explorieren und vor allem aber: man selbst sein kann. Hier kann ich mir selbst eine Identität aufbauen, kann nahezu frei entscheiden, mich austoben. Stößt man hier nun auf Kritik, Beleidigungen oder gar Bloßstellung, trifft es nicht weniger, als das Hänseln vor den Klassenkameraden.

Natürlich hängt das ganz davon ab, wie man selbst damit umgeht. Das Problem ist aber, dass der häufige Tipp bei Mobbing „Ach, ignoriers doch einfach, geh nicht drauf ein. Dann hören sie von alleine auf.“ hier nicht mehr zieht. Ignorieren hilft häufig nicht, denn nun findet der Angriff in genau dem Raum statt, den du dir selbst geschaffen hast.

Das bedeutet aber nicht, dass man nichts gegen Cybermobbing tun kann. Wie auch beim normalen Mobbing, gibt es Maßnahmen, die jeder ergreifen kann. Zunächst einmal: Informiert euch über die sozialen Netzwerke und ihre Sicherheitseinstellungen. Nicht alles muss öffentlich gepostet werden. Gibt es Möglichkeiten, eine Person zu melden und zu blockieren? Wo finde ich die? usw. Sprecht darüber, was sie am Smartphone oder am Handy erleben. Nehmt scheinbar harmlose Beleidigungen nicht auf die leichte Schulter, sie könnten der Anfang des Teufelskreises sein. Und sucht euch Hilfe! Ihr müsst das nicht alleine bewältigen.

Die Tage in der Peter-Pan-Grundschule haben mir gezeigt, dass viele Schüler*innen zwar durchaus wissen, dass Mobbing total uncool ist, häufig aber die Grenze nicht einschätzen können. Wo endet die Meinungsfreiheit und wo fängt Mobbing an? Was kann ich tun, wenn ich Mobbing beobachte? Sie sollten verstärkt dafür sensibilisiert werden, dass Mobbing und auch Cybermobbing eine Straftat ist. Das bedeutet, schlussendlich entsteht nicht nur Schaden beim Opfer sondern auch beim Täter. Hinschauen ist gefragt!
Ich für meinen Teil blicke auf schöne drei Vormittage zurück und bin optimistisch, dass die Fünftklässler durchaus gewappnet sind. Für mich steht fest: Das war nicht das letzte Mal! Mir ist das ein sehr, wichtiges Thema, was schlichtweg ernster genommen werden sollen. Auch die Lehrer*innen und Eltern sollten informiert sein, damit an der richtigen Stelle die richtigen Tipps gegeben werden können.

Mein persönliches Fazit ist, dass Cybermobbing durchaus gefährlicher sein kann, als Mobbing als solches. Beides sollte aber nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Ignorieren funktioniert eben leider nicht immer. Ich freue mich, dass ein paar Fünftklässler nun top informiert sind und wissen, was geht und was total uncool ist.