Lernmethoden

Setzt die Kopfhörer auf!

Als ich vor knapp 4 Jahren mitten in den Vorbereitungen für die Abiturprüfungen steckte, kam ich irgendwann an einen Punkt, den wohl jeder von Euch nur zu gut kennen dürfte: Ich hatte keine Lust mehr. Keine Lust auf Lernen, keine Lust auf Lesen, Rechnen, Bücher wälzen, Post-It’s kleben…. Ich war frustriert, kein Ende in Sicht. Das schlug natürlich auch auf die Konzentration, weshalb ich nahezu jeden Tag wieder von vorne anfing.
Da ich aber dennoch unbedingt mein Abitur machen wollte, fing ich an zu Überlegen, was ich ändern könnte. Ich probierte alles. Lernpläne, bis ins kleinste Detail aufgebröselt. Tolle Lernmethoden aus dem Internet, Tipps von Studierenden und vieles mehr. Ich fand heraus, dass es unterschiedliche Lerntypen gibt, die – so die Theorie – auf verschiedene Art und Weise besonders effektiv lernten (mehr dazu in einem anderen Artikel). Auch das nahm ich mir zu Herzen.
Ich änderte alles, meine Routine, meine Methoden – aber so richtig schien nichts zu helfen. Dann kam ich bei meinen Recherchen auf eine Website, in der vom sogenannten „Mozart-Effekt“ gesprochen wurde. Dieser Effekt hat seinen Namen vom Komponisten Wolfgang A. Mozart. Bereits in den 90iger Jahren wurden Studien durchgeführt, in denen ein bestimmmtes Musikstück von Mozart den Testpersonen zu mehr Konzentration und Leistungsfähigkeit verholfen haben soll.

Musik hilft also beim Lernen? Na super! Also, Kopfhörer auf und Lieblingsmusik eingeworfen. Aber schon nach wenigen Minuten wurde mir bewusst, dass das so nicht funktionieren kann. Ich kannte den Text, summte regelmäßig mit und war alles andere als konzentriert. Die aktuellen Charts-Hits sind also nicht das richtige Futter für die Ohren beim Lernen. Schade. Was also half dann wirklich?
Es gibt tatsächlich verschiedene Musik, die beim Lernen oder Konzentrieren allgemein unterstützen soll.
Da wäre zum einen – natürlich! – die klassische Musik. Als jemand der Klavier spielt, hilft mir persönlich das leider gar nicht. Hier wird aber besonders Musik aus der Barock-Zeit empfohlen. Oder einfach nur ruhige Klaviermusik. Mhm, aber macht das nicht eher müde, als wach?
Dann stieß ich auf das Stichwort: Alphawellen. Musik, die mit diesen Wellen hinterlegt werden, sollen das Gehirn zu mehr Konzentration anregen. Auch für Entspannung oder Meditation sind sie geeignet. Aber warte mal… ich möchte mich doch konzentrieren und nicht einschlafen!
Gut, neugierig wie ich war begab ich mich auf die Suche nach solch einer Musik. Dabei wurde ich dank YouTube schnell fündig. Zum Beispiel fand ich dieses „Lied“: klick mich. Der Effekt tritt am ehesten ein, wenn man die Musik auf Kopfhörern hört, damit Hintergrundgeräusche besser ausgeblendet werden.
Ich setzte mich also hoch motiviert an den Schreibtisch, drehte den Ton auf und siehe da… es half mir. Ich konnte mich länger und besser konzentrieren als vorher.

Zufall? Ich weiß es nicht. Ich bin kein Wissenschaftler und kann mir auch nicht genau erklären, wieso welche Methode am Besten funktioniert. Mir hat es geholfen und ich nutze Playlists und Töne wie diese noch heute. Man findet im Internet unzählige Konzentrationsmusik, von Klassik über Rock bis hin zu elektrischen Klängen – der eigene Geschmack sollte schließlich auch getroffen werden, denn welcher Jugendlich kann sich schon wirklich und wahrhaftig mit den Klängen von Mozart, Bach und Co identifizieren?

Seit ich als Lernbegleiterin bei LIP arbeite, bin ich ein großer Fan davon, Methoden die mir selbst geholfen haben, meinen Schülern vorzustellen und mit ihnen gemeinsam auszuprobieren. Lernen muss man schließlich auch erstmal lernen. Musik hören sie alle, aber hilft ihnen auch die richtige Musik? Ich habe damit diese Woche angefangen und werde in den kommenden Wochen berichten, wie es bei den Schülern ankam.

Für meine anfängliche Verwirrung mit der Entspannung obwohl ich doch Konzentration benötige, hab ich übrigens dann auch eine Antwort gefunden: Musik wie diese lässt das Gehirn entspannen, ja. Gerade in einer reizdurchfluteten Welt wie die, in der wir heutzutage leben, ist das unglaublich kostbar. Je entspannter das Gehirn, desto besser kann es arbeiten und desto eher können wir uns fokussieren – Gelerntes bleibt also auch besser hängen. Zudem kann unser Gehirn beispielsweise Vokabeln XY mit dem Musikstück XY verbinden. So können wir mit dem Summen der Melodie o.ä. diese Information wieder abrufen.
Also, ich weiß ja nicht, was Du jetzt gerade machst… aber ich setze jetzt wieder die Kopfhörer auf, nutze statt der Mikrowellen mal zur Abwechslung die Alphawellen und lass mein Gehirn einfach mal entspannt fokusiert sein – ein Paradoxon was ja eigentlich gar keines ist. Lernen mit allen Sinnen, so macht das Spaß! Probiert es aus, es tut auch ganz bestimmt nicht weh!

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