Warum Nachhilfe eigentlich ein doofes Wort ist

von Julia

Immer wenn mich jemand fragt, was ich beruflich mache, gerate ich ins Stocken. Ja, was genau mache ich eigentlich? Aber vor allem: Wie erkläre ich das am Einfachsten? Für Otto Normal ist es besser, wenn ich einfach sage „Hey, ich gebe Nachhilfe.“ – dabei ist das genau genommen gar nicht wahr, finde ich.

Ja, das, was ich tagtäglich seit knapp 3 Jahren mache, fühlt sich für mich keineswegs wie Nachhilfe an. Ich mag das Wort auch überhaupt nicht, denn irgendwie ist es in meinen Augen negativ belastet. Oder kann sich jemand ein Kind vorstellen, welches voller Stolz seinem besten Freund berichtet, dass es jeden Donnerstag um vier Uhr zur Nachhilfe geht? Ich nicht.

Nehmen wir das Wort doch mal auseinander: Nach-hilfe. Wir helfen also nach? Wobei? Nachhelfen klingt für mich so, als würden wir nur nach-helfen. Tatsächlich habe ich mich in den letzten Jahren sehr mit dem Begriff „Lernhilfe“ angefreundet. Ich fühle mich nämlich keineswegs als Nachhilfelehrer. Ich bin kein Lehrer. Und ich helfe auch nicht nach.


Lernen ist das Spiel, das im Leben am meisten Spaß macht. Alle Kinder kommen zur Welt mit diesem Glauben, und sie halten daran fest, bis wir sie überzeugen, dass Lernen wirklich harte und unerfreuliche Arbeit ist.
Claudia Monnet


Was ich tue, und das mit ganzem Herzen und voller Freude, ist folgendes: Ich helfe Kindern und Jugendlichen dabei, zu lernen wie man lernt. Wie man Spaß am Lernen hat. Kinder und Jugendliche, die sich irgendwo auf dem steilen und steinigen Weg in Richtung Schulabschluss verlaufen haben oder schlicht steckengeblieben sind. Nicht, weil sie nicht schlau genug sind, keine Konzentration haben, zu viel träumen oder hyperaktiv sind. Nein, meine Schüler sind nichts davon.

Ich habe eher den Eindruck, dass sie nicht mehr wissen, wie viel Spaß es machen kann, sich neues Wissen anzueignen. Dass auch spröde Grammatik lustig sein kann. Dass die englische Sprache (denn ich unterrichte überwiegend Englisch) überall steckt und die Aneignung so viel mehr Vorteile hat, als nur eine gute Note im Fach Englisch zu. Ich sage immer zu meinen Schülern: Hey, du verstehst auf einmal die Musik, die du täglich hörst. Kannst Filme und Serien im Original sehen. Kannst spontan ins Ausland verreisen und bist nicht nur auf Body-Language angewiesen … u.v.m.


Erzähle mir und ich vergesse.
Zeige mir und ich erinnere.
Lass mich tun und ich verstehe.
Konfuzius


Aber warum mache ich das? Als gelernte Erzieherin könnte ich doch so viel mehr, als „nur“ Nachhilfe geben? Ganz einfach: Als ich selbst Schülerin war, hatte ich Spaß am Lernen. Das lag zum einen daran, dass ich absolutes Glück mit meinen Lehrern hatte. Aber auch vor allem daran, dass die Kinder und Jugendlichen heutzutage einem anderen Druck unterliegen, als ich vor 4 Jahren. Ich mache diesen Job, weil ich direkt sehe, welchen Einfluss meine Arbeit hat. Ich sehe Erfolge. Ich sehe, wie meine Freude aufgenommen wird. Wie meine Schüler tatsächlich freiwillig von mir empfohlene Lernmethoden zu Hause anwenden. Ich sehe, wie meine beiden treuen pelzigen Begleiter (denn bei mir im Unterricht geht nichts ohne meine beiden Hunde!) immer wieder für lustige Momente sorgen.

Die private Lernhilfe bei LIP ist mehr als Schule. Mehr, als Gruppenunterricht. Ich bin alleine mit den Schülern, wir unterhalten uns auch spontan über so viel mehr, als über die Lerninhalte. Wir lachen. Es ist viel persönlicher, intimer als schlichter Frontalunterricht. Ich habe die Möglichkeit auf jeden Schüler einzeln einzugehen. Dabei habe ich nicht den Druck von Oben, ein bestimmtes Maß an Lerninhalten in einer bestimmten Zeit abzuklappern. Ich sehe direkt das Strahlen in den Augen, wenn etwas gut gelaufen ist und den gesenkten Kopf, wenn etwas noch nicht ganz so gut klappt.


Sobald jemand in einer Sache Meister geworden ist, sollte er in einer neuen Sache Schüler werden.
Gerhart Hauptmann


Warum ist es mir also so wichtig, von Lernhilfe zu sprechen, statt das üblichere Wort „Nachhilfe“ zu verwenden? Ganz einfach: Ich helfen nicht nach. Ich helfe zu Lernen. Meine Schüler sollen nicht ewig einmal die Woche zu mir kommen. Mein persönliches Ziel ist es, dass sie eines Tages, bepackt mit ihrem eigenen persönlichen Methodenkoffer den Raum verlassen – und wieder voller Motivation und Freude in eine erfolgreiche Zukunft gehen. Denn schließlich bin ich kein Nachhilfelehrer, sondern ein Lernbegleiter. Ich bin nur ein Weggefährte, der die Kinder und Jugendlichen ein Stück weit begleitet. Den Rest müssen sie schon alleine schaffen. Das muss aber von ihnen aus kommen und nicht, weil die Note nicht dem gewünschten Notenschnitt entspricht.

Vor allem aber ist diese Arbeit für mich so unendlich kostbar, weil ich tagtäglich erlebe, dass Lernen nie aufhört. Wir lernen jeden Tag, überall. Wir machen Fehler, lernen daraus, nur um erneut Fehler zu machen. Das und nichts anderes bedeutet für mich Lernen. Nicht das Lernen für die nächste Klassenarbeit, sondern das, was wir schon tagtäglich freiwillig mit Freude und ohne Zwang machen.

Wir lernen genauso nebenbei wie wir atmen – oder denkst Du jederzeit genau nach, wann du den nächsten Atemzug tätigst? 😉

Kommentar verfassen